Aussenmöbel im Praxistest

Gemeinschaft entsteht oft draussen – beim Grillplausch im Garten oder auf der Sitzbank im Innenhof. Entsprechend sorgfältig wählen Wohnbaugenossenschaften ihre Aussenmöblierung aus: Stühle, Tische oder Schattenspender sollen alltagstauglich, flexibel und langlebig sein.

Von Thomas Bürgisser | Bilder: zVg, Anna-Katharina Ris | 2026/04

Möblierte Treffpunkte im Freien müssen nicht nur unterschiedliche Bedürfnisse der Bewohnerschaft erfüllen, sondern auch Wetterwechsel und intensive Nutzung aushalten. Die Beständigkeit von Sitzbänken, Tischen, Schattenspendern oder anderen Gartenmöbeln ist für Wohnbaugenossenschaften darum ein besonders wichtiges Kriterium bei der Auswahl. So gehören zum Beispiel Plastikstühle bei der Asig Wohngenossenschaft in Zürich längst der Vergangenheit an. «Diese sind schadenanfällig und zu wenig witterungsbeständig», sagt Monika Tamas, Bereichsleiterin Bewirtschaftung & Soziales. Vielmehr stehen bei der Asig und weiteren angefragten Genossenschaften inzwischen Metall und Holz als Materialien im Zentrum.

Konzept definiert Möblierung
Typisch sind Sitzbänke und Tische, bei denen die Tragestruktur aus Metall und die Oberflächen aus Holz sind. Während das Metall für Langlebigkeit sorgt, strahlt das Holz Gemütlichkeit aus. «Wir schauen zudem immer darauf, dass sich die Holzelemente einzeln ersetzen lassen», so Romy Niederhauser, Projektleiterin für die Um- und Neugestaltung der Gartenanlagen der Mieter-Baugenossenschaft Basel (MBG). Als Beispiel nennt sie die Sitzbänke sowie die Pergola mit Tisch-Sitzbank-Kombination, die 2025 in der Gartenanlage der Familiensiedlung Ormalingerweg in Basel aufgestellt wurden. Die Verantwortlichen wählten für die Pergola bewusst dicke Holzbalken, die bereits heute etwas Schatten spenden und später das Gewicht von Clematis und Reben tragen sollen. Daneben steht ein massiver Stahlgrill mit zwei verstellbaren, aber fest eingelassenen Rosten. Feuerholz lagert im Unterstand, Grillzange und -handschuhe in einer Holzkiste. Um das ungezwungene Zusammensein für die Bewohnenden zusätzlich zu erleichtern, sind sogar eine Steckdose, Lampe und Wasserstelle vorhanden.
Schon seit 2018 gestaltet die MBG die Aussenbereiche ihrer Siedlungen schrittweise um. Einerseits ging es darum, die bis dahin weitgehend ungenutzten Aussenräume aufzuwerten. Anderseits wurden Ertüchtigungsarbeiten an den Autoeinstellhallen nötig, die sich mit den Aussenraumarbeiten verbinden liessen. Gemeinsam mit Bewohnenden verschiedenster Altersgruppen entwickelte die MBG ein siedlungsübergreifendes Konzept, das den Bedürfnissen von Menschen und Natur gleichermassen Rechnung tragen soll. Darin festgehalten sind verschiedene Zonen im Aussenbereich und deren Aufbau und Ausstattung – von der Bepflanzung der Zwischenflächen über die Ausführung von Hochbeeten bis hin zur spezifischen Möblierung von Spielplätzen, Grillstellen oder Ruhebereichen.

Die Mieter-Baugenossenschaft Basel (MBG) stattet viele Treffpunkte in ihren Wohnsiedlungen mit massiven Stahlgrills aus, die über verstellbare Roste verfügen. Meist lagert auch Feuerholz im Unterstand, und Grillzange und -handschuhe liegen ebenfalls bereit.

Schlechte Erfahrungen mit Stoffdach
Dieser Standard lässt sich an Bewohnerschaft und Platzverhältnisse anpassen. So sind die Pergolen je nach Siedlung unterschiedlich gross. Sitzbereiche mit Feuerschalen werden aus Platzmangel nicht überall realisiert. In den letzten Jahren wurde das Konzept zudem punktuell weiterentwickelt. Wegen höherer Schadenanfälligkeit verzichtet man heute etwa auf die Schwenkgrills, auf die man früher noch setzte. Auch mit einem ausziehbaren Pergola-Stoffdach habe man schlechte Erfahrungen gemacht. «Es hat sich nicht bewährt, weil es schnell vergessen ging und dann bei Regen ausgezogen blieb», sagt Niederhauser. So sei es schnell dreckig geworden und mit der Zeit kaputt gegangen. «Es freut uns aber sehr, dass die Bewohnerschaft der Ausstattung allgemein grosse Sorge trägt.»
Mit ihrem siedlungsübergreifenden Konzept ist die MBG eine Ausnahme. Viele Genossenschaften setzen auf individuelle Lösungen und gehen dabei oft auf die Wünsche ein, die von der jeweiligen Bewohnerschaft an sie herangetragen werden. «Manchmal macht es auch Sinn, dass ein Raum zuerst unbespielt bleibt, bis sich eine Nutzung aus dem Alltag ergibt», sagt Ivo Hasler, Bewohner, Architekt und ehemaliger Projektleiter der Siedlung Zwicky Süd von Kraftwerk1 in Dübendorf (ZH). Dort wurde erst letztes Jahr eine Pergola auf dem Velogaragendach installiert. «Früher spielten Kinder hier Fussball. Weil sie dann einen anderen Platz gefunden haben, blieb der Raum ungenutzt», erklärt Andrea Weber, die das Projekt in der Bewohnerschaft anstiess. Nach einer Ideensammlung und unter Berücksichtigung der Statik entschied man sich für eine Pergola, zu deren Begrü-nung ein Stockwerk tiefer im Erdgeschoss Pflanzgruben eingelassen wurden. Entworfen hat Ivo Hasler die Pergola aus metallischen Wasserrohren, die schon für die Geländer der Siedlung verwendet wurden und besonders leicht sind. Finanziert wurde die Pergola mit Geldern aus einem Mietzinsfondsüberschuss, die den Siedlungen für solche Projekte zur Verfügung gestellt werden.

Seit 2018 gestaltet die MBG die Aussenbereiche ihrer Wohnsiedlungen auf Grundlage eines Aussenraumkonzepts schrittweise um. Letztes Jahr wurde die Familiensiedlung Ormalingerweg mit einer neuen Pergola und praktischer Tisch-Sitzbank-Kombination ausgestattet.

Qualität – aber nicht zu jedem Preis
Wie viel genau die jeweilige Aussenraummöblierung gekostet hat, kommunizieren die Genossenschaften nicht. Sie legen alle Wert auf Qualität, betonen dabei aber, dass es nicht unbedingt die teuerste Ausstattung sein müsse. Für die MBG in Basel sind Möblierungen eine Investition ins genossenschaftliche Zusammenleben. «Heute trifft man sich immer seltener spontan im Treppenhaus. Begegnungszonen im Aussenraum sind deshalb wichtiger denn je», sagt Romy Niederhauser. Bei der Asig unterstreicht man zudem die Überzeugung, möglichst auf nachhaltige Schweizer Produkte zu setzen. Dafür sei man bereit, mehr zu investieren. Die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) arbeitet immer wieder mit den gleichen Schweizer Anbietern zusammen, wegen der Qualität und der guten Beratung. «Bei den unterschiedlichen Bedürfnissen, die an uns herangetragen werden, ist eine kompetente Fachberatung wichtig», sagt Marco Stifani, Fachperson Genossenschaftskultur und Soziales.
Als Beispiel führt Stifani die Beschattung an. «Damit ein Schattenspender genutzt wird, muss er individuell auf den Ort abgestimmt sein.» Inzwischen setzt die ABL meist auf flexibel verschiebbare Sonnenschirme mit einem Betonsockel auf Rädern. Von unflexiblen Sonnensegeln sei man weggekommen. Ähnlich handhabt es die Asig, die nur noch grossflächige Bereiche wie Sandkasten mit Sonnensegeln abdeckt und ansonsten ebenfalls auf verschiebbare Sonnenschirme setzt. Aber nicht nur bei der Beschattung gehört Flexibilität zu den wichtigen Auswahlkriterien: Bei der MBG ist beispielsweise ein Liegebett mit Holzlatten, das vielfältig genutzt werden kann, unter den Bewohner:innen besonders beliebt. «Die einen relaxen darauf mit einem Buch, andere nutzen es zum Picknicken mit den Kindern, die gerne darauf herumklettern», beschreibt Niederhauser. Sehr gefragt seien auch die klassischen Festbankgarnituren, die gratis ausgeliehen werden können. Ein Konzept, das auch die ABL kennt. Zusätzlich stellt die Genossenschaft kostenlos Festzelte in unterschiedlicher Grösse zur Verfügung.

In der Siedlung Zwicky Süd der Genossenschaft Kraftwerk1 in Dübendorf (ZH)wurde letztes Jahr eine Pergola aus metallischen Wasserrohren auf dem Velogaragendach installiert. Farbige Stühle können für spontane Treffen einfach neu zusammengestellt werden.

Auch bei der MBG in Basel wird flexibles Aussenmobiliar geschätzt: Ein Liegebett aus Holz kann von den Bewohnenden bei Bedarf verschoben und vielfältig genutzt werden.

Kaum Probleme mit Diebstählen und Vandalismus
Während bei diesen Beispielen die Abwicklung über die Hauswartung läuft, sind in anderen Genossenschaften oft Bewohnergruppen oder auch einzelne Haushalte für die Möblierungen zuständig: «Wir haben halbprivate Aussenbereiche, die wir auf Wunsch mit Tischen oder Stühlen ausstatten. Diese müssen von den jeweiligen Haushalten rechtzeitig abgedeckt oder reingebracht werden», so Marco Stifani von der ABL. Ähnlich handhabt es die Genossenschaft mit Sonnenschirmen, die von einzelnen Haushalten verantwortet werden. Andernorts koordinieren Gruppen die Nutzung von Feuerschalen, teilen sich einen mobilen Gasgrill oder kümmern sich um die Hochbeete. Der grosse Unterhalt liegt jedoch immer bei den Hauswart- beziehungsweise Aussenraumteams, vom Ölen von Holzlatten über die Pflege der Kletterpflanzen bis hin zum Ersatz defekter oder verschwundener Möbel.
Vandalismus oder Diebstahl ist in den vier angefragten Genossenschaften kaum ein Thema. «Dass wir fast alle unsere Möbel am Boden fixiert haben, hat mehr mit der Unfallgefahr zu tun, wenn jemand darauf herumklettert», sagt Romy Niederhauser von der MBG. Selbst kleine Utensilien wie Grillzangen kämen selten weg. Eine Sonderlösung hat man mit der zusammenhängenden Bank-Tisch-Kombination gefunden. «Die ist so schwer, dass sie nicht kippt. Gleichzeitig lässt sie sich gut um ein paar Meter verschieben, etwa in den Schatten hinüber.»

Stühle dürfen «wandern»
Die ABL setzt auf die gleiche Kombination. «Diese lässt sich auch nicht einfach so mitnehmen», so Stifani. Allgemein fixiert die ABL ihre Möbel aber nur noch selten. In einigen Innenhöfen oder weniger zentralen Siedlungen setzt sie sogar auf leichte Metallbänke, die sich einfach herumtragen lassen. «Wir haben hier zulasten der Diebstahlgefahr auf mehr Flexibilität gesetzt und gute Erfahrungen gemacht.»
Bei der Asig überlegt man sich aktuell Ähnliches mit Metallstühlen, die zum Diebstahlschutz paarweise verbunden sind, auf kurzen Distanzen aber einfach bewegt werden können, so wie man das etwa vom Sechseläutenplatz in Zürich kennt. Auf dem Areal Zwicky Süd hat man mit diesem System bereits gute Erfahrungen gemacht: Die Stühle «wandern» dort seit Jahren umher, erzählt Ivo Hasler. «Sie sind sehr beliebt, weil sie für spontane Treffen einfach neu zusammengestellt werden können. Und meines Wissens wurden noch nie welche gestohlen.»