Sommerfrische mit Auflagen
Brunnen, Teiche und Wasserspiele werten Wohn-siedlungen auf und sorgen im Sommer für willkommene Abkühlung. Allerdings bringen solche Wasseranlagen auch planerische und technische Herausforderungen mit sich. Welche Erfahrungen machen Genossenschaften?
Von Patrizia Legnini | Bilder: Jürg Sollberger, Mareycke Frehner, Vasilije Mustur, Alessandro Della Bella | 2025/04
Der kleine Bach in der Überbauung Holliger in Bern ist der Hit. In Gummistiefeln oder barfuss waten die Kinder durchs seichte Wasser, stauen es mit Steinen oder tragen es im Eimer zum Spielplatz. Seit einem Jahr fliesst das Wiesenbächlein durch den Hof der neuen Genossenschaftssiedlung und versickert dann im Sinne der Schwammstadt auf einer sumpfigen Fläche. «Es freut mich immer, zu sehen, wie viel Betrieb an diesem Bächlein herrscht», sagt Architekt Jürg Sollberger. Er begleitete das Projekt seit seinen Anfängen 2011 und präsidiert heute die Infrastrukturgenossenschaft Holliger, unter deren Dach sich sechs gemeinnützige Bauträgerinnen zusammengeschlossen haben. Den Aussenraum der Siedlung planten sie gemeinsam.
Gespiesen wird das Bächlein von sauberem Grundwasser, das beim Warmbächli-Gebäude – einem ehemaligen Lagerhaus – seit jeher aus dem Boden gepumpt wird, damit es nicht ins Gebäude eindringt. «Im Gegensatz zu früher ist es heute nicht mehr erlaubt, das abgepumpte Wasser in den Stadtbach abzuleiten. Wir müssen es auf dem Gelände versickern lassen», sagt Sollberger. Statt das Grundwasser aber direkt in die Versickerung zu geben, leite man es nun zuerst auf einer Länge von rund siebzig Metern durch die Siedlung, wo es allen Bewohner:innen zugutekomme. Dank dem sauberen Grundwasser ist das Bächlein immer gut durchspült und braucht wenig Unterhalt. «Die Lösung ist einfach und funktioniert bestens. Es ist schön, dieses Wasser in der Überbauung zu haben.»
Das Grundwasser fliesst auf einer Länge von siebzig Metern durch die Holliger-Siedlung und gelangt dann in die Versickerungsfläche.
Umgebung wirkt dank Wasser dynamischer
Das Bächlein ist ein wichtiges Element der Umgebungsgestaltung im Holliger – aber nicht nur dort. Der Einsatz von Wasser hat im Städtebau und in der Landschafts- und Gartenplanung eine lange Tradition. Am Wasser fühlen sich Kinder und Erwachsene gleichermassen wohl; wo es sicht- und erlebbar gemacht wird, wirkt die Umgebung dynamischer, lebendiger und letztlich freundlicher. In Wohnsiedlungen erhöhen Wasserflächen und -anlagen, die auch zum Plantschen und Spielen einladen, den Erlebnis- und Aufenthaltswert. Und gerade in urbanen Zentren, wo die Versiegelung und der Verlust an Grün die Temperaturen in die Höhe treiben, sorgen selbst kleinere Wasserflächen für Abkühlung – vor allem, wenn sie mit Bepflanzungen kombiniert werden. Wasser kühlt, wenn es sich bewegt und wenn Verdunstungs- oder Spritzwassereffekte erzeugt werden.
Während einige Wohnbaugenossenschaften in Wohnsiedlungen bewusst auf Teiche, Wasserspiele oder Brunnen setzen, kommen andere bei Umgestaltungen oder Neubauprojekten wieder von ihnen ab. Das hat damit zu tun, dass Aussenraumgestaltungen mit Wasser nicht zum Billigtarif zu haben und aufgrund vieler Vorgaben eher aufwändig umzusetzen sind. Selbst einfache Brunnen können wegen der Wasseraufbereitung technisch kompliziert zu unterhalten sein und müssen laufend gereinigt werden. Auch Statik und Sicherheitsaspekte spielen eine Rolle.
Viele Auflagen erschweren Umsetzung
Wichtig ist, frühzeitig zu klären, wo und mit welchen Mitteln sich die besten Resultate erzielen lassen, und Entscheidungen früh im Planungsprozess zu treffen. Trotz sorgfältiger Planung können aber unerwartete Hürden auftreten, wie auch Jürg Sollberger vom Holliger erfahren musste. Ursprünglich sollte nämlich der Stadtbach, der das Areal unterirdisch quert, offen durch die neue Siedlung fliessen – das war im städtebaulichen Wettbewerb so vorgesehen. Doch aus Sicherheitsgründen erwies sich die Offenlegung als nicht umsetzbar: «Man hätte den Stadtbach wegen unregelmässigem Wasserstand einzäunen müssen.» Daraufhin plante man, einen Teil des Wassers abzuzweigen und durch die Siedlung zu leiten. Doch auch dieses Vorhaben scheiterte kurz vor der Umsetzung: Im Stadtbach leben Fische, und der Kanal hätte stets genug Wasser und fischgerechte Rückzugsorte bieten müssen. Die dafür nötige Steuerungs- und Kontrolltechnik wäre sehr aufwändig und teuer gewesen.
Zum Glück sei kurz vor Ausführungsbeginn einem Kollegen die Idee mit dem Grundwasser gekommen, so dass man die Pläne mit dem Stadtbach über Bord geworfen habe. Heute verläuft der eingedolte Bach parallel zum Wiesenbächlein unter dem Hof hindurch. An einigen Stellen ist er mit Gittern bedeckt, so dass die Bewoh-ner:innen auf ihn hinunterschauen können. Rückblickend meint Sollberger: «Wir wollten den Bewohnenden das Wasser erlebbar machen und unterschätzten dabei komplett, wie viele Auflagen wir erfüllen mussten.»
Ausgelassene Schwimmbadstimmung herrscht im Sommer im Haupthof der Siedlung Vogelsang in Winterthur. Der Gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Winterthur (GWG) lag viel an der Erstellung des Badebrunnens. Mit dem Resultat ist man sehr glücklich.
Wasser bleibt im Kreislauf
Auch Giuseppe Venturini, Projektleiter Bau und Planung bei der Gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Winterthur (GWG), spricht von einem «Hosenlupf», den man in der Siedlung Vogelsang auf sich genommen habe. «Es hat sich aber gelohnt», sagt er. Heute steht ein grosser, runder Badebrunnen mitten im Haupthof der mediterran anmutenden Überbauung, in der rund 400 Menschen wohnen; darum herum stehen bunte Liegestühle. «In der Winterthurer Altstadt gibt es die berühmten Judd-Brunnen, die von der Bevölkerung rege zum Plantschen genutzt werden. An diese Tradition wollten wir im Vogelsang gerne anknüpfen.» Das Resultat sei super, die Be-wohner:innen seien glücklich. «Im Sommer herrscht hier ausgelassene Schwimmbadstimmung.»
Der Brunnen hat einen Durchmesser von 2,8 Metern und ist eine Spezialanfertigung; er besteht aus zwei Betonteilen, einem niedrigen und einem hohen, die ineinander stehen; die Böden sind mit Keramik belegt. Er läuft an 180 Tagen im Jahr während zwölf Stunden. Dass der Brunnen von gewöhnlichem Trinkwasser gespiesen wird, war eine Auflage der Stadt; wenn Kinder Zugang zum Wasser haben sollen, sind die Anforderungen an die Wasserqualität hoch. Das Brunnenabwasser wird in der Tiefgarage in einem Tank gesammelt und über ein Leitungssystem wieder ins Hofgeschoss gepumpt, wo es zur Bewässerung der Pflanzen in den Trögen verwendet wird; der jährliche Wasserverbrauch entspricht dem durchschnittlichen Wasserjahresverbrauch von sieben Grossfamilien. «Wir würden dieses Wasser im Sommer sowieso zur Bewässerung brauchen», sagt Bewirtschafter Martin Sommer. Für die Reinigung wenden die Hauswarte durchschnittlich sechs Stunden pro Monat auf. «Wenn viele Kinder hier baden, wird alle zwei Wochen das Wasser abgelassen und der Brunnen mit speziellem Reinigungsmittel und Bürste von Algen und Schmutz befreit.» Bei der Reinigung muss ein Schieber geschlossen werden, damit das Abwasser in die Kanalisation und nicht in den Bewässerungstank gelangt.
Spezielle Stahlträger für die Statik
Der Bau des Brunnens kostete 80 000 Franken, hinzu kamen rund 20 000 Franken für statische Massnahmen: Weil der Brunnen über dem Fahrbereich der Tiefgarage steht, mussten spezielle Stahlträger eingebaut werden. Diese statischen Massnahmen hätten der Genossenschaft einiges abverlangt, sagt Venturini. «Aber wir würden den Aufwand wieder auf uns nehmen – im Wissen darum, dass der Brunnen vielen Bewohner:innen zugutekommt, genau wie andere Zusatzangebote wie Gästezimmer, Fitnessraum, Siedlungslokal oder Musikzimmer.» Auch die Kosten würden sich bei 157 Wohnungen relativieren. «Wir wollten diesen Brunnen unbedingt. Wir sehen ihn als Mehrwert für die Siedlung und als Beitrag zur Lebensqualität. Und wenn die Leute hier baden können, müssen sie nicht unbedingt irgendwo hinfahren, schon gar nicht mit dem Auto.»
Auch in der Neubausiedlung Orenberg in Ossingen (ZH) macht die GWG gute Erfahrungen mit einem Brunnen, in dem die Kinder gerne plantschen. Und in der Siedlung Eisweiher in Winterthur erstellt sie bald einen neuen Trinkbrunnen. «Weil das Wasser dort im Boden versickern kann und Bäume speist, können wir es von den Abwassergebühren befreien», sagt Sommer. Darüber sei man froh, würden die Abwassergebühren doch zwei Drittel der Wasserkosten ausmachen. Die Brunnen kosteten die GWG je 20 000 Franken.
Das Wasserspiel in der Siedlung Mattenhof der Siedlungsgenossenschaft Sunnige Hof wird an heissen Tagen intensiv genutzt und benötigt kaum Wartung.
Wenig Aufwand mit Wasserspiel
Immer beliebter werden in Städten sogenannte «Coolspots», die auf öffentlichen Plätzen für Abkühlung sorgen sollen. Meistens werden dabei Wasserspiele mit Fontänen und Sprühnebel mit Kletterpflanzen und Bäumen kombiniert, die Schatten spenden. Durch die Verdunstung des Wassers wird die Luft spürbar abgekühlt. Dass solche oder ähnliche Anlagen auch im Wohnumfeld geschätzt werden, zeigt ein Beispiel aus Zürich: Die Siedlungsgenossenschaft Sunnige Hof hat ein bodennahes Wasserspiel in ihre Siedlung Mattenhof integriert, das von Frühling bis Herbst in Betrieb ist. Es wird von Frischwasser gespiesen, das gebrauchte Wasser fliesst zuverlässig ab; das gewährleistet eine gute Wasserqualität. Gesteuert wird die Anlage durch eine Zeitschaltuhr und eine manuelle Fusstaste. «Das Wasserspiel ist sehr beliebt und wird vor allem an heissen Tagen intensiv genutzt», sagt Kommunikationsspezialist Vasilije Mustur.
Ihm zufolge lässt sich der Unterhalt der Anlage gut in den Betriebsalltag integrieren: Eine Reinigung erfolge zu Saisonbeginn und -ende. Dank des geregelten Durchflusses bleibt die Algenbildung gering, zusätzlicher Wartungsaufwand entsteht kaum, und weil das Wasser regelmässig erneuert wird und kontinuierlich abfliesst, bestehen auch keine Hygieneprobleme. Mehr Reinigungsaufwand beschert der Genossenschaft ein Spielplatz mit Sand- und Wasserspielbereich in einer anderen Wohnsiedlung. «Das stehende Wasser muss dort regelmässig ausgetauscht werden», sagt Mustur. Im Gegensatz zum Wasserspiel im Mattenhof, wo das Wasser flach bleibt, müssten zudem einige Sicherheitsanforderungen zur Wassertiefe beachtet werden. «Dieses Projekt würden wir darum eher nicht mehr so umsetzen.»
Neuer Brunnen statt Teich
Die Sicherheit ist ein Aspekt, der viele Genossenschaften bei der Planung von Wasseranlagen umtreibt. Passiert auf einem Grundstück ein Unfall, haften sie als Werkeigentümerin. Darum sollten sich Genossenschaften bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) genau über Vorschriften und Sicherheitsstandards informieren. Auch Landschaftsgärtnerinnen und -gärtner können eine wichtige Beratungsfunktion wahrnehmen. Als einfache Regel gilt, dass bei Anlagen, bei denen der Wasserstand dauerhaft mehr als zwanzig Zentimeter beträgt, Sicherheitsmassnahmen ergriffen werden müssen (siehe Box). «Das Wasser ist und bleibt ein wichtiges Gestaltungselement in unseren Siedlungen. Als Eigentümerin muss man der Sicherheit heute aber viel mehr Beachtung schenken als früher», sagt Mario Jacober, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft Lägern.
Seit den 1950er-Jahren bestand in ihrer Klosterbrühl-Siedlung in Wettingen, die jetzt Ersatzneubauten weichen muss, eine idyllische Teichanlage mit kleinen Brücken und Stegen, wo auch geplantscht werden durfte. In der neuen Überbauung, wo in den nächsten Jahren 222 Wohnungen für 700 Personen entstehen, wird es keinen solchen Teich mehr geben – aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse, aber auch aus Gründen der Sicherheit. Geplant sind jedoch ein Naturspielplatz mit Wasserstelle und ein klassischer Laufbrunnen auf dem grossen Siedlungsplatz. Beide Anlagen werden von Frischwasser gespiesen, und bei beiden versickert das Wasser im Boden. «Wir sehen diese Wasserelemente als guten Kompromiss», sagt Jacober.
Auch in der Neubausiedlung Orenberg in Ossingen (ZH) macht die GWG gute Erfahrungen mit einem Brunnen, in dem die Kinder gerne plantschen.
Der Teich in der Überbauung Holliger in Bern musste aus Sicherheitsgründen eingezäunt werden. Molche und Frösche können jedoch auch gut vom Zaun aus
beobachtet werden.
Molche und Frösche beobachten
Man sei sich bewusst, dass schon wenige Zentimeter Wasser ausreichen, um ein Kleinkind in Gefahr zu bringen, sagt auch Giuseppe Venturini von der GWG. Aus diesem Grund habe man sich im Vorfeld gut informiert. Im äusseren Becken, das im Vogelsang um den Badebrunnen verläuft, steht das Wasser darum nur etwa elf Zentimeter hoch. Und auch die Höhe des Hauptbrunnens ist aus Gründen der Sicherheit genormt, so dass kein Kleinkind in den Bereich hochklettern kann, wo das Wasser tiefer ist. «Wir halten uns an die gängigen Sicherheitsvorschriften. Ein gewisses Restrisiko bleibt aber bestehen.»
Auch in der Holliger-Siedlung ist die Sicherheit der Kinder ein Thema: Das Grundwasser wird zuerst in einen Teich gepumpt, bevor es im Wiesenbächlein davonfliesst, und dieses Biotop musste eingezäunt werden. «Wenn man das Ufer sehr flach hätte gestalten können, wäre der Zaun nicht nötig gewesen. Aber aufgrund der Platzverhältnisse war das keine Option», sagt Sollberger. Zwar eigne sich der Teich an heissen Sommertagen nun halt nicht zum Baden. Aber vom Zaun aus könnten die Kinder gut die Molche und Frösche beobachten, die sich dort bereits angesiedelt haben. «Die Wasserelemente nützen also auch der Biodiversität.»
Keine Wasserflächen bei der ABZ
Im Regina-Kägi-Hof der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ) wurde das Dach- und Oberflächenwasser jahrelang in ein Wasserrücklaufbecken geleitet. Aus Kostengründen und wegen Sicherheitsbedenken wurde es 2022 aber mit Teichsubstrat gefüllt und eine Uferbepflanzung angelegt – eine offene Wasserfläche besteht nicht mehr. «Weil sich durch das Frischwasser immer wieder stinkende Algen bildeten, musste das Becken zweimal im Jahr aufwändig gereinigt werden», sagt Mirco Huber, Teamleiter Aussenraum. Der Reinigungsaufwand habe rund 200 Stunden pro Jahr betragen. Heute gibt es in den ABZ-Siedlungen Spielplätze mit Wasserpumpen, aber keine grösseren Brunnen oder offenen Wasserflächen. «Wahrscheinlich werden wir in Zukunft aber schon wieder Wasserspielplätze haben», so Huber. «Zur Hitzeminderung sind Wasserflächen jedenfalls sehr interessant.»
Sicherheit am Kleingewässer
Vor allem für Kleinkinder können Kleingewässer gefährlich sein. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU ist ein Zaun oder eine Abdeckung die wirksamste Sicherungsmassnahme. In Spielbereichen sollten Kleingewässer zudem höchstens zwanzig Zentimeter tief sein – auch Brunnen. Andernfalls empfiehlt die BFU einen Brunnenrand von mindestens 75 Zentimetern Höhe. Eine Übersicht über verschiedene Sicherungsmöglichkeiten bietet der Ratgeber «Teiche, Biotope & Co.: Gewässer richtig sichern».