Flexible Räume für starke Gemeinschaft

Die Wohnbaugenossenschaft «Das Andere Wohnen» hat in Zollikofen (BE) ein 50plus-Wohnprojekt realisiert, das konsequent auf Gemeinschaft und Ökologie setzt. Das Projekt umfasst zwei Mehrfamilienhäuser mit 17 altersgerechten Wohnungen und vier Jokerzimmern.

Von Patrizia Legnini | Bilder: Alexander Gempeler | 2026/04

Welches Ziel wurde mit dem Bauvorhaben verfolgt?

Einerseits ging es beim 50plus-Wohn­projekt in Zollikofen darum, der Verein­samung im Alter entgegen zu wirken. ­Deshalb werden kompakte, private Wohneinheiten mit einem breiten Angebot gemeinschaftlich genutzter Einrichtungen kombiniert. Dazu gehören der Gemeinschaftsraum, die Waschküche, ein Gästezimmer, eine Holz- und eine Metallwerkstatt sowie ein grosser biodiverser Garten. Sowohl die Architektur der Gebäude als auch die Selbstverwaltung sollten eine tragfähige Gemeinschaft entstehen lassen und fördern.
Darüber hinaus sollte das Wohnprojekt auch ökologisch verantwortbar sein. Die beiden Häuser wurden 2025 in Holzbauweise erstellt und sind Minergie-zertifiziert, eine Tiefgarage gibt es nicht. Dafür stehen drei Besucherparkplätze und ein grosser Velokeller zur Verfügung. Gleich neben dem Haus befinden sich zwei ­Mobility-Parkplätze, ganz in der Nähe gibt es eine Bushaltestelle. Zudem sollten die Wohnungen dank der Kostenmiete bezahlbar bleiben.

Was zeichnet den Bau in architektonischer und baulicher Hinsicht aus?

Die ökologische Bauweise prägt das Projekt. Die Gebäudehülle besteht aus einer unbehandelten Rohholzfassade, die Tragstruktur ist in Holzbauweise mit Zellulose-Dämmung realisiert. Im Innenraum dominieren natürliche Materialien: Unbehandelte Holzdecken, Innenwände aus Lehmbauplatten mit eingefärbtem Lehmfeinputz sowie geölte Massivholzböden aus Eiche und geschliffene Anhydritböden sorgen für ein gesundes Raumklima.
Die 17 Wohnungen können durch einfache bauliche Massnahmen flexibel verändert werden, so dass Wohnungsgrössen von eineinhalb bis viereinhalb Zimmern möglich sind. Schaltzimmer zwischen zwei Wohnungen können je nach Bedarf einer der angrenzenden Einheiten zugeschlagen werden. Zusätzlich stehen vier Jokerzimmer mit Bad und optionaler Küchenzeile zur Verfügung. Sie können als Ate­liers, Büros oder Einzimmerwohnungen genutzt werden. Eines der Jokerzimmer dient derzeit als Gästezimmer. Die Häuser sind über ein Treppenhaus mit Aufzug verbunden, die Wohnungen über Laubengänge erschlossen.

Offene Laubengänge ­erschliessen die Wohnungen und schaffen Flächen für ­Begegnung und Austausch. In den Innenräumen prägen Holz und Lehm das Bild und sorgen für ein gutes Raumklima.

Was wurde in Bezug auf Energieversorgung und Nachhaltigkeit gemacht?

Die Gebäude wurden nach dem Minergie-A-Standard realisiert und erfüllen hohe Anforderungen an Energieeffizienz, Eigenenergieproduktion und ökologische Bauweise. Die Wärmeerzeugung erfolgt über eine Kombination aus Fernwärme (thermische Nutzung von Alt- und Abbruchholz) und Wärmepumpen. Zur Stromerzeugung sind sämtliche Dachflächen mit Photovoltaikmodulen ausgestattet, die eine Gesamtleistung von rund 110 Kilowatt erreichen. Dadurch wird ein wesentlicher Teil des benötigten Stroms vor Ort produziert. Durch den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) können der lokal erzeugte Solarstrom gemeinschaftlich genutzt und der Eigenverbrauch maximiert werden. In den ZEV eingebunden ist auch der Mobility-Standort auf dem benachbarten Grundstück.

Wie ist man bei der Vermietung ­vorgegangen?

Die Wohnungen wurden schon in der ­Planungs- und Bauphase reserviert. Interessierte bewarben sich bei den Genos­senschafter:innen und wurden, wenn es gegenseitig passte, als neue Mitglieder auf­genommen.

Worin bestanden die grössten Herausforderungen?

Das Projekt verzögerte sich um ein Jahr, weil eines der beiden Kindergartengebäude, die sich auf dem Grundstück befanden, als erhaltenswert eingestuft war und der Heimatschutz Einsprache gegen den Abriss erhob. Eine weitere Herausforderung war es, die Finanzen im Griff zu behalten, vor allem wegen der Teuerung und den gestiegenen Hypothekarzinsen.

Welche Erkenntnisse nimmt man mit? Was würde man rückblickend anders machen?

Rückblickend waren die frühzeitige und kontinuierliche Beratung und das Know-how, mit dem der Dachverband das Projekt unterstützte, von grossem Wert. Auch war es für die junge Genossenschaft ein Glücksfall, dass sie von der Gemeinde das Baurecht erhielt. Die technische Vorprüfung durch Wohnbaugenossenschaften Schweiz war im Hinblick auf mögliche Darlehen des Fonds de Roulement sehr wertvoll, genauso wie die Unterstützung durch einen erfahrenen Bauherrenberater während der Planungs- und Bauphase. Schliesslich hat sich auch die frühzeitige Information und Einbindung der Nachbarschaft sehr bewährt.

Baudaten

Bauträgerin
Wohnbaugenossenschaft «Das Andere Wohnen», Zollikofen

Architektur
Planwerkstatt Architekten, Bern

Umfang
2 MFH mit 17 Wohnungen,
1 Gemeinschaftsraum, 4 Joker­zimmer (1 davon Gästezimmer),
1 Velokeller, 2 Werkräume,
1 Sportraum, 3 Besucherparkplätze

Baukosten (BKP 1-5)
8,4 Mio. CHF total

Finanzierung
Migros Bank, Fonds de Roulement, Solidaritätsfonds, Wohnungsanteile, Förderbeitrag Age Stiftung

Mietzinsbeispiel
3½-Zimmer-Wohnung, 77 m2:
1995 CHF plus 170 CHF NK

Die Wohnsiedlung

Auf einer Parzelle der Gemeinde Zollikofen (BE), auf der zwei nicht mehr genutzte Kindergartengebäude standen, erstellte die Wohnbaugenossenschaft «Das Andere Wohnen» 2025 im Baurecht zwei Mehrfamilienhäuser. Die 17 Wohnungen richten sich an über 50-Jährige und können in der Grös-se flexibel verändert werden. Vier Jokerzimmer sind als Ateliers, Büros oder Einzimmerwohnungen anmietbar. Die Bewohner:innen verwalten ihre Häuser selbst.