Neues Wohnen unter dem Dach

Bei der Sanierung ihrer Siedlung Muttenz I hat die Eisenbahner-Baugenossenschaft beider Basel günstigen Wohnraum, Wohn­­quali­täten und architektonischen Charakter erhalten. Durch den Ausbau des Dachraums entstanden 14 zusätzliche Wohnungen.

Von Patrizia Legnini | Bilder: Leon Faust, zVg | 2026/03

Welches Ziel wurde mit dem Bauvorhaben verfolgt?
Ausgangspunkt des Projekts war der Erneuerungsbedarf der Leitungsinfrastruktur. Dies wurde genutzt, um die Liegenschaft nachhaltig und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Durch den Ausbau des ungenutzten Dachraums konnte zusätzlicher Wohnraum an gut erschlossener La-
ge geschaffen werden. Gleichzeitig wur­de das Wohnungsangebot differenziert und erweitert.

Warum hat man sich für eine Sanierung und Aufstockung und gegen einen Abriss entschieden?
Aufgrund des insgesamt guten baulichen Zustands sowie des kommunalen Schutzstatus kam ein Abriss nicht infrage. Die Sanierung ermöglichte es, notwendige technische Erneuerungen mit energetischen Verbesserungen und funktionalen Anpassungen zu verbinden. Die Entscheidung, die Arbeiten vollständig im bewohnten Zustand auszuführen, zielte darauf ab, die bestehende Mieterschaft zu halten, die gewachsene soziale Struktur der Siedlung zu bewahren und die günstigen Mietzinse zu sichern.

Welche Sanierungsarbeiten wurden vorgenommen?
Der Ersatz der veralteten Wasser- und Abwasserleitungen sowie die damit verbundene Erneuerung sämtlicher Küchen und Bäder stellten einen tiefgreifenden Eingriff in den Bestand dar. Darüber hinaus wurden Elektroinstallationen und Kanalisationsleitungen erneuert und sicherheitsrelevante Bauteile auf den aktuellen Stand gebracht. Ergänzend erfolgten ther­mische und brandschutztechnische Verbesserungen. Mit der Realisierung von 14 neuen Dachwohnungen wurde zudem in die Gebäudestruktur eingegriffen. Auch neue Absturzsicherungen und angepasste Balkonbrüstungen fügen sich unauffällig in das Erscheinungsbild ein. Zusätzlich wurde die Liegenschaft um einen neuen Sied­lungstreff ergänzt.

Wie ist man mit betroffenen Mieter:innen umgegangen?
Die Bauarbeiten erfolgten etappenweise nach Strängen beziehungsweise Hauseingängen, sodass die Belastung für die Bewohnerschaft zeitlich gestaffelt werden konnte. Den Mieterinnen und Mietern standen Ausweichwohnungen innerhalb der Siedlung zur Verfügung. Bei Bedarf wurden auch externe Ersatzlösungen angeboten, um besonders belastende Bau-
phasen zu überbrücken.

Die Integration der neuen Wohnungen in die bestehende Bausubstanz erforderte präzise ­Eingriffe in Tragwerk, Haustechnik und Erschliessung.

Grundriss einer neuen ­Dreieinhalbzimmerwohnung unter dem Dach.

Was wurde in Bezug auf Energieversorgung und Nachhaltigkeit verbessert?
Da die Siedlung bereits an das Fernwärmenetz angeschlossen ist, waren die Optimierungsmöglichkeiten der Energieerzeugung begrenzt. Im Zuge des Dach­ausbaus konnte jedoch die Gebäudehülle energetisch verbessert werden. Auf dem Dach wurde eine Photovoltaikanlage installiert, die im Rahmen eines Zusammen­schlusses zum Eigenverbrauch (ZEV) betrieben wird. Der erzeugte Strom kann somit direkt vor Ort genutzt werden. Das Regenwasser wird neu in einem Tank gesammelt und zur Bewässerung der Nutzgärten verwendet.

Worin bestanden die grössten Herausforderungen beim Projekt?
Die Sanierung im bewohnten Zustand war komplex. Die Aufstockung erfolgte parallel zur Erneuerung von Küchen und Bädern in allen sieben Hauseingängen. Diese Gleichzeitigkeit stellte sehr hohe Anforderungen an Planung, Bauablauf und Kommunikation mit der Bewohnerschaft. Ziel war, die Beeinträchtigungen für sie möglichst gering zu halten und einen effizienten Bauablauf sicherzustellen. Trotz sorgfältiger Planung mussten unvorhergesehene Situationen flexibel aufgefangen werden. Die Bereitstellung und Koordination von Ausweichwohnungen bedeutete einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand. Dennoch konnte der Umbau wirtschaftlich realisiert werden.

Welche Erkenntnisse nimmt man mit?
Das Projekt lieferte wichtige Erkenntnisse für zukünftige Sanierungen im bewohnten Zustand. Es zeigte sich, dass grosszügigere zeitliche Reserven für unvorhergesehene Abläufe eingeplant werden sollten. Ein weiterer zentraler Aspekt ist die frühzeitige und kontinuierliche Einbindung der Bewohnerschaft. So wurde etwa der Vorschlag, Grundrisse durch die Öffnung der Küchen zu verändern, von den Mieterinnen und Mietern nicht unterstützt. Dies unterstreicht die Bedeutung eines engen Dialogs über alle Projektphasen hinweg.

Baudaten

Bauträgerin
Eisenbahner-Baugenossenschaft beider Basel (EBG), Birsfelden
Architektur
SAG Architektur GmbH, Basel
Baumanagement
Burckhardt Immobilien AG, Basel
Umfang
7 MFH, neu 68 Wohnungen mit 2 1/2 bis 4 1/2 Zimmern, 1 Siedlungstreff,
1 Freizeitwerkstatt

Baukosten (BKP 1-5, Prognose)
17,5 Mio. CHF
Finanzierung
Eigenkapital und Hypothek PK SBB
Mietzinsbeispiel
3 1/2-Zimmer-Dachwohnung, 75m2:
1335 CHF plus 200 CHF NK