Selbstbewusster Re-use-Auftritt
Das ehemalige Gewerbeareal Lysbüchel Süd im Norden Basels wurde in ein Wohnquartier transformiert. Die Stiftung Habitat hat drei von total 15 Parzellen selbst bebaut. Ihr jüngstes Haus sticht besonders hervor: Hier kamen diverse wiederverwertete Bauteile zum Einsatz.
Von Daniel Krucker | Bilder: Michael Fritschi | 2025/06
Welches Ziel wurde mit dem Bauvorhaben verfolgt?
Gemäss dem Stiftungszweck verfolgt die Habitat soziale und ökologische Nachhaltigkeitsziele. «LysP8» ist ein vielseitig nutzbares Wohnhaus mit Gewerbe im Erdgeschoss. Das Gebäude verursachte dank Holzkonstruktion und insbesondere Wiederverwendung unterschiedlicher Materialien und Bauteile bereits in der Erstellung wenig CO2.
Warum hat man sich für ein Re-use-Konzept entschieden?
Nach positiven Erfahrungen mit dem Erhalt des Weinlagers, ebenfalls in Lysbüchel Süd, sollte der Re-use-Gedanke auf ein Neubauprojekt übertragen werden. Ziel war es, den CO2-Ausstoss in der Erstellung und im Betrieb zu minimieren, weshalb auf einen niedrigen Verbrauch von grauer Energie über den gesamten Lebenszyklus geachtet wird.
Die Wohnungen sind geprägt von sichtbarem Holz und kräftigen Farben.
Welches waren die grössten Herausforderungen beim Projekt?
Die zirkuläre Bauweise erfordert viel Voraussicht in der Planung und Konstruktion, um Bauteile später sortenrein trennen und wiederverwenden zu können. Flexibilität und Offenheit aller Beteiligten sind gefragt, da oft eine Zwischenlagerung von Material erforderlich ist. Zudem beeinflussen Re-use-Bauteile das Farb- und Materialkonzept.
Welches sind die wichtigsten Materialien und Bauteile, die wiederverwendet wurden?
Am augenfälligsten sind die Ziegel an der Fassade und die Fensterläden. Zudem wurden Holz für die Brettstapeldecken und ganze Metallküchen wiederverwendet. Auch die Betongartenplatten hatten bereits ein erstes Leben hinter sich.
Was zeichnet den Bau in architektonischer und baulicher Hinsicht aus?
Der Verbrauch ist auf 45 Quadratmeter Energiebezugsfläche pro Person beschränkt. Dies wird durch kompakte, intelligente Grundrisse erreicht. In den Wohnungen mit eineinhalb Zimmern liegt das Bad zwischen Wohn- und Schlafraum. Zwei raumhohe Türen ermöglichen entweder einen Durchgang neben einem kleinen, abgeschlossenen Nassraum oder schaffen ein grosszügiges, barrierefreies Bad. Als Hauptbaustoff hat sich Holz bewährt, da es ein gut verfügbares Re-use-Material ist. Das expressive Farbkonzept verbindet die Innenräume mit der Fassade und setzt Akzente.
Grundriss 3 ½-Zimmer-Wohnung, 65 m²
Wie verlief die Vermietung?
Die beiden oberen Geschosse mit neun Wohnungen sind an die Stiftung Rheinleben vermietet und stehen Menschen mit psychischer Beeinträchtigung sowie Begleitpersonen zur Verfügung. Die übrigen 18 Wohnungen wurden nach festgelegten Kriterien vergeben, um Vielfalt und Durchmischung zu fördern – etwa durch die Berücksichtigung benachteiligter Personen-gruppen. Inzwischen haben sich alle gut eingelebt.
Welche weiteren Nachhaltigkeitsaspekte zeichnen das Gebäude aus?
Die Gebäudehülle übertrifft gesetzliche Standards. Der Neubau ist an eine PV-Anlage der Adev-Energiegenossenschaft angeschlossen, die zusammen mit den Nachbarhäusern des Areals betrieben wird. Der begrenzte Flächenverbrauch pro Person (Mindestbelegung) gewährleistet eine nachhaltige Gebäudenutzung.
Welche Erkenntnisse nimmt man mit?
Es lohnt sich, zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen Neues zu wagen. Auch gestalterisch lässt sich ein Re-use-Neubauprojekt erstklassig umsetzen. Ohne eine vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro, den Fachplanenden – insbesondere auch für zirkuläres Bauen – und den beteiligten Unternehmen ist so ein Projekt allerdings kaum möglich. Die Erfahrungen fliessen in die weiteren Projekte der Stiftung ein, beispielsweise durch den Einbau von Re-use-Küchen, da momentan vor allem Sanierungsprojekte laufen.
Baudaten
Bauträgerin
Stiftung Habitat, Basel
Architektur
Loeliger Strub Architektur, Zürich
Umfang
MFH, 27 Wohnungen mit 1 ½ bis
4 ½ Zimmern, 1 Gemeinschaftsraum, 2 Gewerberäume, Fahrradabstellraum
Baukosten
10,8 Mio. CHF total (BKP 1-5, inkl. MwSt.)
Finanzierung
Bankenfinanzierung ohne Fördermittel
Mietzinsbeispiele*
1½ Zimmer-Wohnung, 31 - 38 m²:
780 - 980 CHF + 100 - 130 CHF NK
3½ Zimmer-Wohnung, 65 - 77 m²:
1410 - 1660 CHF +
220 - 250 CHF NK
* Bewohnende können Mietzinsbeiträge beantragen